Agil oder kann das weg?

30.09.2018 – Blog – Agil oder kann das weg?

„Agilität“ als Form der Zusammenarbeit und Grundwert in der Unternehmenskultur begegnet uns heute an jeder Ecke. Viele haben regelrecht Angst vor dem Wort, manche lehnen es kategorisch als „Blödsinn“ oder „neue Sau, die durch’s Dorf getrieben wird“ ab, wieder andere leben Agilität als wäre es ihre „Religion“.

Ich möchte in diesem Blog-Beitrag keine Definitionen niederschreiben. Auch möchte ich nicht über die Bedeutung von Agilität in Unternehmensorganisationen schreiben, die definitiv vorhanden ist. Ich werde auch nicht über das „Agile Manifest“ oder „Scrum-Methoden“ philosophieren.

Ich will Menschen die Angst nehmen vor Veränderungen!

Stellen wir uns einmal vor:

Maria ist 48 Jahre alt und arbeitet seit 20 Jahren als kaufmännische Angestellte in einem großen Unternehmen. Sie ist gut ausgebildet, hat großes Fachwissen und hat schon viele Höhen und Tiefen in ihrem Unternehmen erlebt. Seit einiger Zeit hört sie von Kollegen immer wieder neue Wörter, mit denen sie nichts anfangen kann. Manche Kollegen sprechen aus ihrer Sicht nur noch in Rätseln. Da fallen viele vor allen Dingen englische Fachbegriffe, die sie weder kennt noch versteht. Die Kollegen bauen diese Wörter aber so selbstverständlich in ihre Kommunikation mit ein, dass sich Maria nicht traut, nachzufragen. Sie kommt sich blöd vor und fragt sich, ob sie etwas verpasst hat.

Ihr Chef fängt an, in den Teamrunden auch immer häufiger diese neuen Begriffe zu verwenden. Er unterstreicht, wie wichtig es sei, dass alle Kollegen agil zusammenarbeiten, denn nur so hätte das Unternehmen am Markt weiterhin Erfolg. Der Chef bittet alle Kollegen, bei Fragen auf ihn zuzukommen. Maria hat viele Fragen, sie schaut sich um und fragt doch nichts, da sie nicht die Einzige sein möchte, die sich meldet. So vergehen einige Monate. Maria erledigt ihren Job ordentlich und gewissenhaft, so wie in den letzten 20 Jahren. Aber sie merkt, dass sie in den Gesprächen mit den Kollegen immer stiller wird. Es ist ihr unangenehm, dass sie nicht wirklich versteht, was der Chef bzw. das Unternehmen von ihr wollen, wenn von „Agilität“ gesprochen wird. Und mit der Zeit wird aus Unsicherheit ein Gefühl der Überforderung und aus der Überforderung wird Ablehnung.

Maria fängt an, sich bei jeder Gelegenheit kritisch und ablehnend gegenüber dieser neuen „Unternehmenskultur“ zu äußern, die aus ihrer Sicht allen „übergestülpt“ werden soll.

Da fallen Sätze wie „Das ist doch alles nur wieder eine neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird“ oder „Agil, ja und? Für mich ändert sich doch eh nichts. Ich mache meine Arbeit genauso gut wie vorher.“

Marias kritische Haltung bleibt natürlich nicht unbemerkt. Ihr Chef ärgert sich zunehmend über Marias Verhalten, spricht es aber nicht an. So spricht der Chef in all seinen Runden und Vorträgen weiterhin über die notwendige Veränderung in der „Unternehmenskultur“ und Maria? Maria schottet sich mehr und mehr ab, sowie weitere Kollegen.

Was passiert da?

Unterschiedliche Wissensstände, fehlende Kommunikation, fehlendes Erwartungsmanagement  – ein perfekter Nährboden für eine scheiternde Unternehmenskultur!

MITEINANDER REDEN ist die Grundvoraussetzung für Zusammenarbeit! Ist doch einfach, machen wir jeden Tag. Wir reden und reden und reden, aber nicht MITEINANDER! Wie viele Fachbücher gibt es zum Thema „Kommunikation“? Wie viele Experten haben Methoden aufgesetzt, Fortbildungen entwickelt, die Menschen den Weg zeigen sollen, effektiv zu kommunizieren? Es sind unzählige. Warum? Weil „MITEINANDER REDEN“ nun mal eben auch sehr schwer ist, denn es erfordert Haltung, Mut und Ehrlichkeit.

Es geht um unterschiedliche Perspektiven, Erwartungen und Prinzipien. Welche Kultur ein Unternehmen auch immer prägt oder prägen soll – es gibt keine Schablone, die auf jedes Unternehmen passt. Glaube nicht an Berater, die betonen, dass mit ihrem Konzept jedes Unternehmen in 5 Schritten agil wird. Ja, es gibt viele hilfreiche Methoden und Praktiken, aber die Grundvoraussetzung für effektive und gute Zusammenarbeit bleibt das „MITEINANDER REDEN“ und sich vergewissern, dass die gegenseitige Erwartungshaltung transparent ist.

Ein weiteres wichtiges Stichwort „Fragen“! Wer fragt, der führt! Hinterfrage, was du nicht verstehst. Wenn dir die Erklärung nicht reicht, frage weiter. Scheue dich nicht, auch in größeren Gruppen deine Fragen loszuwerden. In der Regel haben noch viele weitere Kollegen die gleichen Fragen, haben aber nicht die Haltung und den Mut, diese öffentlich zu stellen. Wenn sich einer traut, trauen sich weitere. Mache du den Anfang, denn DU machst den Unterschied!

Agil sein bedeutet auch zu reflektieren und eine positive Fehlerkultur zu leben. Wenn ein Unternehmen es also Ernst meint mit der „agilen Unternehmenskultur“ und Führungskräfte entwickelt hat, die wissen, wovon sie reden, wird es sich wünschen, dass Mitarbeiter hinterfragen, ihre Meinung einbringen und im Rahmen ihrer Kompetenzen selbstständig handeln.

Bringe dich ein, gestalte mit und nutze jede Gelegenheit zum Mitwirken, wenn es dir dein Unternehmen bietet. Hier fängt „agile Unternehmenskultur“ an.

Veränderung ist das einzig Beständige – ich rate jedem, Veränderung neutral bis positiv gegenüber zu treten und sich idealerweise nicht verändern zu lassen, sondern Veränderung selbst aktiv mitzugestalten!

Mein Coaching kann dich dabei unterstützen!